
Songnyeo Lyoo
Interlaced Tapestry
Die Bilder von Songnyeo Lyoo rufen Bewunderung und eine gewisse Belustigung hervor. Mit ihren surrealen Inszenierungen, einer enormen technischen Raffinesse und einer guten Portion Humor schafft Lyoo in ihren komplexen Tableaus eine eigene Welt, in der die Traditionen europäischer und asiatischer Malerei verschmelzen.
Ihr Handwerk hat Songnyeo Lyoo in ihrem Heimatland Südkorea erlernt, wo sie in buddhistischer Malerei ausgebildet wurde. Dort studierte sie die Ikonografie des Buddhismus sowie den Umgang mit überlieferten Techniken, wie die Malerei mit natürlichen Pigmenten auf Hanji-Reispapier.
Diese frühe Prägung ist an der flachen Raumgestaltung oder an den leuchtenden Farben ihrer Bilder zu erkennen. Sie mischt sich mit Einflüssen aus der westlichen Malerei und mit zeitgenössischen Details voller skurrilen Einfällen. In ihren großen Kompositionen entwickelt Lyoo eine utopische Welt, in dem sich menschenähnliche Kreaturen in einem ideal-abstrahierten Naturraum bewegen.
Die Inspiration zu Interlaced Tapestry – auf Deutsch: „Verflochtener Wandteppich“ – entstand während der Covid-19-Pandemie. In dieser Phase des erzwungenen Rückzugs, beobachtete Lyoo, wie Jede und Jeder von uns einen eigenen, persönlichen Bereich besitzt, den er nach seinen individuellen Vorlieben gestaltet und in dem Stabilität und Trost gesucht werden.
So bauen wir tagtäglich im Kleinen an unserer eigenen Utopie. Diese privaten Paradiese werden in Lyoos Bildern als Geflecht mehrerer, miteinander verflochtener Universen eingebunden.