Exponat 15: Moritz Krauth, «This Since 48 Years»

Moritz Krauth

This Since 48 Years

In irgendeiner Form kennen wir sie alle. Sie stellt die allererste soziale Erfahrung dar und kann der Ort der größten Geborgenheit aber auch der schlimmsten Gewalt sein: Die Familie.

Als Konstrukt zwischen gesellschaftlichen Normen und individueller Authentizität, steht die Familie im Zentrum der Arbeit von Moritz Krauth.

In seinen Fotografien, Performances und Videos setzt sich der gebürtige Hamburger mit Phänomenen der Identität auseinander und hinterfragt, unter welchen sozialen und psychologischen Bedingungen eine individuelle Persönlichkeit entsteht. Weil sie wesentlich dazu beiträgt, untersucht Krauth in seiner aktuellen Bildreihe den Einfluss der Kernfamilie auf die Identitätsbildung.

Dabei geht er von der Beobachtung intimer Erfahrungen aus, die er oft in Detailansichten von Alltagsgegenständen oder flüchtigen Interaktionen festhält. Er vermengt diese Aufnahmen mit fiktiven oder dokumentarischen Elementen sowie mit literarischen oder wissenschaftlichen Quellen, um den fluiden, mehrdeutigen und widersprüchlichen Charakter der Familie zu unterstreichen.

Die Bilder dieser Serie sind in Kooperation mit dem queeren Performer und Aktivisten Faafa Fine entstanden, den Moritz Krauth mehrere Monate begleitet hat. In der Kultur Polynesiens bezeichnet „Fa’afa fine“ eine Person männlichen Geschlechts, die aus eigenem Antrieb die Verhaltensweisen und die tradierte soziale Rolle einer Frau annimmt. Die Fa’afa fine vertreten also ein drittes Geschlecht, das allgemein anerkannt und unterstützt wird.