
Florian Fausch
latent space
Als würden wir vor einer breiten Straße stehen, die in einer leichten Linkskurve zwischen Häuserschluchten verschwindet, evoziert das Bild latent space die lebhafte und moderne Struktur einer Großstadt. Dabei besteht die Komposition von Florian Fausch aus einzelnen Farbflächen, die hauptsächlich vertikal oder horizontal aufgetragen wurden, und, an und für sich betrachtet, gegenstandslos sind.
Dieses Pendeln zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit charakterisiert die Malerei von Florian Fausch. Mit wenigen, präzisen Gesten und einem Malauftrag, der mal lasierend, mal deckend, mal sorgfältig, mal wild-gestisch ist, schafft der Schweizer Maler einen räumlichen Eindruck. Die Illusion von Dreidimensionalität entsteht durch das gekonnte Steuern von Hell-Dunkel-Kontrasten oder von Farbwerten, aber auch durch die menschliche Neigung, unbekannte Formen als vertraute Objekte zu interpretieren. Wir sind nämlich diejenigen, die Fauschs abstrakte Farbflächen, Malspuren und grafische Zeichen mit den eigenen Erfahrungen einer urbanen Landschaft vergleichen und darin Straßenfluchten, Glasfassaden oder architektonische Vorsprünge sehen.
Indem er seine Malerei in einem bewusst unentschiedenen Zwischenbereich verortet, macht uns Florian Fausch auf diese Wahrnehmungseigenschaft aufmerksam und erinnert uns daran, dass ein gemaltes Bild erst von den Betrachtenden zuende gedacht wird.