
Oliver Gather
Escape to Nature
Das Werk von Oliver Gather ist von einer Lust an soziologischen Erkenntnissen geprägt, die den Künstler in die Rolle eines scharfen Gesellschaftsbeobachters versetzt. In seinen Installationen und Plastiken, aber auch in seinen Filmen und Interventionen, untersucht Gather die Leidenschaften und Gewohnheiten seiner Mitmenschen, und entlarvt manche Merkwürdigkeiten unserer Kultur. Besonders unser mehrdeutiges Verhältnis zur Natur, oder, besser gesagt, das Verhältnis zu einer bestimmten Idee der Natur interessiert ihn.
In seiner aktuellen Arbeit unterstreicht Gather die Tendenz zu einer romantischen Verklärung der Natur, und blickt kritisch auf das Phänomen des individuellen Tourismus – und zwar konkreter auf die Neuentdeckung von Wohnmobilen. Es ist nämlich ein Paradox der sogenannten „Womo-Kultur“: Aus einem hochtechnisierten und hermetischen Fahrzeug heraus sucht man die Nähe zu einer natürlichen Umwelt, die möglichst unberührt und authentisch sein soll. Dieser Widerspruch drückt sich in den drei Plastiken aus, die wie das Sinnbild einer festgefrorenen Bewegung wirken.
Die schweren Betonblöcke widersprechen den Assoziationen von Freiheit, Abenteuer und Mobilität, die üblicherweise mit einem Wohnmobil einhergehen. Die auf ihrer Seite projizierten Begriffe beziehen sich auf reale Modellnamen von Wohnmobilen. Sie transportieren positive Vorstellungen, die in krudem Kontrast zur Realität einer vermittelten und technisch bestimmten Naturerfahrung stehen.