
Ralf Werner
camera tremens
Ein Sekretär, ein Stuhl, ein Paravent und ein Teppich befinden sich im Raum. Alle Elemente sind in schwarz-weiß und grauen Tönen gehalten und weisen eine kristalline Struktur auf. Die Flächen sind in geometrisch-prismatische Volumen zerlegt und die Perspektive des Ensembles scheint instabil zu sein.
Die Arbeit von Ralf Werner wirkt wie ein stilisiertes Interieur kubistischer Anmutung, gesehen durch ein Kaleidoskop. Dieser Effekt kommt nicht von ungefähr, denn die bezugsreiche Rauminstallation entstand nach Skizzen des tschechischen Architekten Pawel Janák für einen Arbeitstisch, der nie realisiert wurde.
In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts führte Janák die Prinzipien des Kubismus in das Kunsthandwerk und in die Raumgestaltung ein und gilt als wichtige Figur der Prager Avantgarde. Nach einer intensiven Arbeit der Recherche und der Interpretation, baute Ralf Werner die einzelnen Elemente seines Studiolo und zeigt sie zum ersten Mal im abgeschlossenen Zustand.
Für den Düsseldorfer Künstler, der sich mit dem Erbe des Kubismus und des Konstruktivismus auseinandersetzt, liegt der Reiz von Janáks Studie in seiner nicht realisierten Natur. Der radikale Entwurf blieb über hundert Jahre als bloße Idee in den Schubladen der Kunstgeschichte, bevor er endlich verwirklicht wurde.
Mit der Verwandlung von einer künstlerischen Vision zu einem greifbaren Gegenstand möchte Ralf Werner nicht nur den Übergang von der Utopie in die Realität aufzeigen, sondern die Vorstellung eines multiperspektivischen Raums, wie er im Kubismus als Bild und Modell experimentiert wurde, zuspitzen.