
Mischa Kuball
Platon’s Mirror
Licht, als physisches Phänomen oder als Sinnbild für Wahrheit und Erkenntnis, ist das zentrale Element im Werk von Mischa Kuball.
Der international renommierte Künstler setzt es in seinen Installationen, Projekten und Interventionen vielfältig ein. Er inszeniert Licht konkret als Spot, um das Verdeckte, Verbotene oder Verdrängte aufzuzeigen, und er inszeniert es als Metapher, um die komplexen Verhältnisse zwischen Realität, Realitätswahrnehmung und Bild zu hinterfragen. Denn ohne Licht kein Sehen, kein Denken – und damit keine Reflexion über die Welt.
Die Fotoarbeit Platon‘s Mirror bezieht sich auf ein bekanntes Gleichnis aus der Antike. Darin behauptet der griechische Philosoph Platon, dass die sichtbare, materielle Welt eine Illusion sei, im Gegenteil zu den Ideen, die in einer höheren, unsichtbaren Sphäre existieren. In seiner Erzählung beschreibt er Menschen, die in einer Höhle angekettet sind und sich nicht bewegen können. Sie halten zweidimensionale Schatten an der Wand für die einzige Realität, bis einer von ihnen die Höhle verlässt und die wahre Welt erkennt.
Kuball greift diese Erzählung auf und setzt sie in das Bild einer reflektierenden Fläche um, die die Realität vor und hinter der Kamera bruchstückhaft wiedergibt. Ob es sich um das Motiv, um eine Spiegelung des Motivs oder um das Bild der Spiegelung des Motivs handelt, ist schwer zu entscheiden.
„Gibt es eine objektive Realität, oder ist nicht alles eine Projektion des Geistes?“, scheint Mischa Kuball zu fragen. Die sinnlich erfassbare Welt ist vielleicht nur ein Schatten und unsere Wahrnehmung eine Konstruktion, die wir nicht einfach hinnehmen sollten.