Exponat 17: Fatma Özay, «ohne Titel I»

Fatma Özay

ohne Titel I

Mit starken Kontrasten, lebhaften Farben und unerwarteten Materialexperimenten verzaubern die Bilder von Fatma Özay. In ihren strukturreichen Kompositionen lässt die junge Künstlerin die kulturellen Codes und Gebräuche der türkischen Community in Deutschland aufleben.

Weil ihre eigene Familie seit drei Generationen in Dortmund lebt, reflektiert Özay dadurch auch den eigenen, persönlichen Hintergrund. Aber ihre Bilder haben einen allgemeinen Wert und geben einen intimen Einblick in das Privatleben von Migrantinnen und Migranten in Deutschland der letzten sechzig Jahre.

Das Motivrepertoire von Fatma Özay ist daher bewusst unspektakulär gehalten und auf alltägliche Szenen von Familientreffen, Marktgänge oder einfache Handlungen konzentriert. Die zwei Bilder der Ausstellung zeigen Frauen bei einem typischen Henna-Abend, der in der muslimischen Hochzeitskultur ein wichtiges Ritual darstellt, sowie eine Gartenszene mit Plastikstuhl und einem kleinen Grill. Diese Milieustudien werden in eine eigenartige Bildsprache übersetzt.

Özay mischt ihre Farbpigmente mit Zusätzen wie Ochsengalle und Terpentin, um eine marmorierte Fläche zu erhalten. Durch die stark ornamentale Wirkung und die Zweidimensionalität ihrer Kompositionen rücken diese in die Nähe von Teppichen oder Tapeten. Diese Hinwendung zu dekorativen Formen ist charakteristisch für die Werke einer neuen Künstlergeneration, die tradierte Werkstoffe und Verfahren der angewandten Kunst wiederentdeckt.