
Finn Wagner
Blut der Erde
In seinem multimedialen Werk befasst sich Finn Wagner mit allgemein anthropologischen Phänomenen, wie dem Bezug des Menschen zu seiner natürlichen Umwelt oder der Bedeutung von Technik für unsere Kultur. Dabei geht der Medienkünstler wie ein Naturwissenschaftler vor und forscht empirisch zu bestimmten Materialien. Für das Werkkonvolut „Blut der Erde“ baute er sogar eine kleine Gießerei, um Metall in seinem flüssigen Zustand zu betrachten.
Anlässlich eines Studienaufenthalts an der Universität Siegen, setzte sich Wagner intensiv mit Eisen auseinander. Schon in der Antike spielte der Werkstoff eine zentrale Rolle für die wirtschaftliche Entwicklung der Region. In „Blut der Erde“ betont Finn Wagner die mystische Bedeutung des Metalls. Zu Zeiten der Kelten war das Extrahieren von Eisen nicht nur ein technischer Vorgang, sondern ein spiritueller Akt, der die Verbundenheit des Menschen mit den Elementen betonte. Diese emotionale Beziehung zur Natur verschwindet seit der Neuzeit zunehmend.
In Wagners Video werden Minen mit dem menschlichen Körper und das Erz mit unseren Adern verglichen. Damit wird eine natürliche Ressource lebendig gemacht und ihre metaphorische Tragweite geweckt: Als Spurenelement fließt Eisen durch unseren Körper und steht für Leben; als verarbeitete Waffe – wofür es lange gewonnen wurde – bedeutet es im Gegenteil Tod. Wagner nutzt diese körperlich-technischen Bilder, um die moderne Trennung zwischen Natur und Kultur zu überwinden.