
Lucy Milanova
Seeing clouds from both sides
Seit Jahrhunderten richten Künstlerinnen und Künstler den Blick zum Himmel und zu den Wolken. Weil sie ihre Form ständig verändern und sich dem festen Zugriff entziehen, gelten Wolken als Sinnbilder für Wandel, Bewegung und für das schwer Fassbare. Aus naturwissenschaftlicher Perspektive, werden Wolken allerdings nicht in ihrer poetischen Dimension betrachtet und bekommen dadurch eine ganz andere Bedeutung.
Das Objekt von Lyoudmila Milanova vereint, im wahrsten Sinne des Wortes, beide Sichten. Für diese Arbeit wurde eine Wolkenformation zeitgleich aus zwei entgegengesetzten Perspektiven aufgenommen. Während Milanova am Boden fotografierte, wurde die Wolke zum gleichen Zeitpunkt von einem Satelliten aufgenommen. Die Synchronisation beider Aufnahmen erfolgte durch eine Zusammenarbeit mit Raumfahrtbehörden und erforderte millisekundengenaue Koordination zwischen Satellit und Künstlerin.
Das Ergebnis ist eine einzigartige, zweiseitige Betrachtung, bei der sich verschiedene Sichtweisen überlagern. Aus einem flüchtigen atmosphärischen Moment entsteht so ein dreidimensionales Bild-Objekt, das die Instabilität von Wahrnehmung sichtbar macht und über die Relativität von Perspektiven nachzudenken einlädt. Für die Version der Arbeit in unserer Ausstellung wurden die Wolkenansichten auf mehreren Schichten von Plexiglas eingebrannt.