
René Dietle
Fineliner punktiert Fläche I
Fineliner auf Papier
Der Künstler René Dietle sprengt die traditionellen Raum- und Zeitgrenzen seines Mediums. Die Ausführung seiner kleinteiligen, grafischen Arbeiten erstreckt sich meistens über mehrere Monate, und seine sehr dichten Kompositionen können ganze Räume füllen. Der gelernte Architekt, der auch dreidimensionale Arbeiten realisiert, entwickelt bei seinen Zeichnungen eine obsessive und meditative Tiefe mit schwindelerregender Wirkung. Seine Arrangements belegen eine extrem arbeitsintensive und atypische Methode. Wie für die Formulierung eines Mantras, wiederholt Dietle immer wieder die gleiche Geste auf Papier in geschlossener All-over-Technik. Die kleinen Zeichen verdichten sich und bilden Cluster unterschiedlicher Größen. Die geistige Energie, die Konzentration und die Aufmerksamkeit, die sich während dieser Tätigkeit entfalten, sind integrale Bestandteile der Arbeit.
Der Titel seines Beitrages für DIE GROSSE, Fineliner punktiert Fläche I, fasst genau zusammen, was zu sehen ist: Mit einem handelsüblichen, dünnen Filzstift füllt Dietle eine Fläche aus, indem er eine immergleiche, monotone Punktierung auf dem Papier vornimmt. Bei Sitzungen von zwei bis drei Stunden am Tag hat Dietle ein Vierteljahr an dem Triptychon gearbeitet. Am Ende dieses langen Verfahrens wird die Zeit der Ausführung förmlich sichtbar gemacht. Die dicht gewobenen Blätter sind nicht nur das gestalterische Ergebnis der Arbeit des Künstlers, sondern vor allem die Kristallisierung einer stillen und meditativen Tätigkeit.